Wie stark war der Pazifismus im Deutschland der Zwischenkriegszeit?

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Während der von Hitler betriebenen Wiederaufrüstung Deutschlands und insbesondere während der Remilitarisierung des Rheinlandes blieb die Französische Republik zu und versäumte damit wohl die letzte Gelegenheit, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. In Frankreich machen wir dieses Versagen häufig dem Trauma der Massaker des Ersten Weltkriegs und der daraus resultierenden Stärke der pazifistischen Bewegungen in der französischen Gesellschaft zuschreiben. Übrigens versuchten nicht wenige, ihre eigene oder fremde Untätigkeit während der deutschen Besetzung Frankreichs, manche ihre aktive Zusammenarbeit mit den Besatzern, mit ähnlicher Antikriegsstimmung zu rechtfertigen. Die kommunistische Partei vor 1941, Céline, Georges Brassens ua.

Meine Frage lautet: Kershaw stellt fest, dass die deutsche Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit der Remilitarisierung des Rheinlandes bis hin zur deutschen katholischen Kirche zugestimmt hat. Warum gab es 1936 in Deutschland keine pazifistische Bewegung? Sicher, wenn es eine gegeben hätte, wäre sie vom Regime unterdrückt worden, aber Kershaw deutet an, dass diese Reaktion der Bevölkerung auf die Aufrüstung echt und frei zum Ausdruck gebracht wurde. Hatte es unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg einen gegeben, der bis 1936 verschwunden war? Wenn ja, warum war es nicht stark genug, um die Nazis an der Macht zu hindern? In Frankreich stellten sich die Pazifisten-Lefisten erfolgreich gegen die faschistischen Bewegungen der 30er Jahre. Oder ist Pazifismus nur etwas für diejenigen, die den Krieg mit Rache für die Verlierer gewinnen?


Krieg ist süß für diejenigen, die ihn noch nie erlebt haben

(Pindar, 5. Jahrhundert v. Chr.)

Der Pazifismus war in Kunst und Literatur ziemlich stark. Was nicht verwundern sollte, da dies die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg ist. Befürworter waren z.B. Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky oder Erich Maria Remarque. In der Kunst gab es z.B. Otto Dix, Hans Grundig oder Ernst Barlach. Ein Gegenbeispiel könnte Ernst Jünger sein, obwohl ich mit seinem Werk nicht wirklich vertraut bin. Beachten Sie, dass all diese (außer Jünger natürlich) bis 1936 zum Schweigen gebracht wurden.

Während der Weimarer Republik waren große Teile der Eliten (Beamte, Lehrer, Richter etc.) eher reaktionär. Die wenigsten von ihnen hatten den Krieg tatsächlich miterlebt und hatten daher wenig Verständnis für den Pazifismus. Daß die Reduzierung des deutschen militärischen Potentials in der Zwischenkriegszeit von außen aufgezwungen worden war, half wahrscheinlich nicht.

Unter den Massen ist es natürlich schwer zu sagen, wie weit die Unterstützung für den Pazifismus gegangen ist. Die Remilitarisierung des Rheinlandes war eine Frage der nationalen Souveränität, und es war leicht zu argumentieren, dass es ungerecht war, dass Deutschland dort keine Truppen stationieren konnte. Dass dieser Schritt in der Bevölkerung unterstützt wurde, bedeutet nicht, dass es eine öffentliche Unterstützung für die Führung eines Krieges gegen andere Länder gab. Tatsächlich argumentiert Joachim Fest (in "Hitler") ziemlich stark, dass der Krieg 1938 (während der Sudetenkrise) und 1939 unbeliebt war.


rs.29 hat auf Organisationen wie Stahlhelm, Reichsbanner, Rotfront und SA hingewiesen. Dies waren die paramilitärischen Flügel der verschiedenen politischen Parteien. Das Reichsbanner war mit SPD, DDP und anderen demokratischen Parteien verbunden, Stahlhelm mit DNVP (reaktionär/militaristisch), Rotfront mit der Kommunistischen Partei und SA mit den Nazis. Diese Organisationen waren ziemlich groß und zu einem erheblichen Teil mit Veteranen des Ersten Weltkriegs besetzt. Reichsbanner war mit 1,5 bis drei Millionen Mitgliedern die größte dieser Organisationen. Der Stahlhelm hatte etwa eine halbe Million Mitglieder.

Ich glaube nicht, dass die Existenz dieser Organisationen die oben genannten Punkte entkräftet.

  1. Diese Organisationen sollten für die Innenpolitik verwendet werden. Sie sollten nie den nächsten internationalen Krieg Deutschlands führen.

  2. Pazifismus bedeutet nicht, dass ich dich nicht zurückschlagen kann, wenn du mich schlägst. Die Weimarer Republik hatte in ihren ersten Jahren viele bewaffnete Machtkämpfe und viele Veteranen des Ersten Weltkriegs. Es scheint also ziemlich natürlich, dass Parteien paramilitärische Flügel haben.

Nach meinem Verständnis geht es um den Pazifismus als Ablehnung der Anwendung militärischer Gewalt als Mittel der International Politik. rs.29s-Kommentare scheinen sich auf Einstellungen zu beziehen. der Einsatz von (para)militärischer Gewalt als Mittel zur intern Politik.

Dies ist nicht unbedingt dasselbe, siehe z.B. Amerikanische Haltung bzgl. Gewaltanwendung im Ausland oder im Inland. Als Kontrapunkt könnte man Afghanistan nehmen, das zuletzt in den 1820er Jahren bedeutende Truppen außerhalb seiner heutigen Grenzen hatte (glaube ich) und seitdem viele, viele Kriege innerhalb seiner eigenen Grenzen hatte (Afghanistan hat jedoch einige Grenzkonflikte mit Pakistan).


Ein weiterer guter Punkt von rs.29 ist, dass Feldmarschall Paul von Hindenburg, einer der faktischen Herrscher Deutschlands während des Ersten Weltkriegs, zweimal zum deutschen Präsidenten gewählt wurde. Beim zweiten Mal gab es sogar recht genaue Vorhersagen über die politischen Folgen der Wahl Hindenburgs durch die Kommunisten ("Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, stimmt für den Krieg." Hindenburg, einen Krieg zu wollen.)

Hindenburg gewann seine erste Präsidentschaftswahl gegen einen katholischen und einen kommunistischen Kandidaten und seine zweite Wahl gegen denselben kommunistischen Kandidaten und Adolf Hitler. Angesichts der Tatsache, dass Wahlen durch eine Mischung von Gründen entschieden werden und die Leute nicht immer das bekommen, was sie erwartet haben, würde ich argumentieren, dass dies kein schlüssiger Beweis dafür ist, dass die Deutschen einen weiteren Krieg wollen.

Die Franzosen hatten auch während eines Großteils der 1920er Jahre einen Präsidenten, der ein aktiver Teil der Kriegsregierung war, so dass die Korrelation zwischen dem Wunsch nach Krieg (oder nicht) und der Karriere von Politikern im Ersten Weltkrieg, für die man gestimmt hat, möglicherweise nicht besonders stark war.



Bemerkungen:

  1. Amiram

    Ich denke, du hast nicht Recht. Treten Sie ein, wir diskutieren. Schreib mir per PN.



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