Karikatur und Propaganda

Karikatur und Propaganda

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Titel: Europäische Zivilisation.

Autor: JOHNSON Arthur (1874 - 1954)

Datum angezeigt: 1916

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Technik und andere Indikationen: "Die Zivilisation Europas". Karikatur aus der Zeitung "Kladderadatsch", Nr. 30, veröffentlicht am 23. Juli 1916.

Lagerort: Website der Staatsbibliothek

Kontakt Copyright: © BPK, Berlin, Dist RMN-Grand Palais - Unbekannte Website des Fotografen

Bildreferenz: 06-505058

Europäische Zivilisation.

© BPK, Berlin, Dist RMN-Grand Palais - Fotograf unbekannt

Erscheinungsdatum: September 2008

Historischer Zusammenhang

Das Jahrhundert der Presse

In Frankreich im Jahr 1848 nach der Februarrevolution und dank der Abschaffung der Zensur, Das Charivari erlebt eine zweite Jugend. In Berlin entstand aus dem Bürgerkrieg im März 1848 das deutsche Äquivalent, die humorvolle und konservative Zeitschrift Kladderadatsch („Patatras“ auf Französisch), gegründet von Albert Hofman und David Kalisch, die allmählich zu einem festen Bestandteil des politischen und literarischen Lebens wurden. Um 1890 produzierte derjenige, der sich als "alleiniger Manager der Masse der Zeitungsleser" definierte, 50.000 Exemplare. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielten satirische Zeitungen noch eine zentrale Rolle: Sie waren der Spiegel der öffentlichen Meinung. Dadurch schaffen deutsche und französische Designer ein empörtes, manchmal grobes, sogar groteskes Bild des "Nachbarlandes", das die kollektive Vorstellungskraft der beiden Völker dauerhaft durchdringt.

Bildanalyse

Karikatur im Dienste der Propaganda

Zu Beginn des XXe Jahrhundert, Kladderadatsch wird überholt von Simplicissimus und von Der wahre Jakob. Ab 1909 wurden Gustav Brandt und der deutsch-amerikanische Künstler Arthur Johnson die führenden Autoren und Karikaturisten der Zeitung, die ab 1914 die Kriegsanstrengungen unterstützte. Am 1. Juli 1916 begann die anglo-französische Offensive an der Somme, eine der blutigsten Schlachten des Krieges von 1914 bis 1918, in der viele junge Soldaten, Freiwillige, auf dem Schlachtfeld zurückblieben. Das Kladderadatsch vom 23. Juli 1916 ruft diese Episode durch eines seiner privilegierten Ziele hervor: den Charakter des senegalesischen Schützen. Von Stößen belebt, als würde er sich einem Totentanz hingeben, hat sich der Soldat, der in den gegnerischen Reihen engagiert ist, in ein blutrünstiges Wesen verwandelt, das anstelle des normalen Rucksacks den Schädel eines Feindes trägt. Prominenter Mund und Kiefer, Nasenring, Zahnkette um den Hals: Er ist ein Kannibale. Von der regulären Uniform sind nur noch ein Bajonettschwerthalter und eine Krapphose übrig.

Interpretation

Die "dunkle Kraft"

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs waren die kolonialen Rivalitäten zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland sehr groß. Während die ersten beiden viele Teile Asiens und insbesondere Afrikas teilen, schafft Deutschland ein kleineres Reich. Als der Krieg ausbrach, ließen die französischen und britischen Armeen Hunderttausende koloniale "Eingeborene" mobilisieren und in Operationssäle schicken.
Das 1857 gegründete Infanteriekorps rekrutierte sich in ganz Französisch-Westafrika. Der republikanische Diskurs präsentiert sie als Modelle der zivilisatorischen Assimilation. Sie sind die von Mangin und Jaurès vertretene „dunkle Kraft“. Deutschland sieht jedoch den Einsatz von Soldaten aus Afrika, die es als wild ansieht, als Beweis für die französische Barbarei. In Frankreich hingegen faszinieren senegalesische Tirailleure die Öffentlichkeit. 1915 legte die Kakaomarke Banania die Figur eines fröhlichen senegalesischen Tirailleurs auf ihre Schachteln, der den ikonischen roten Fez mit einem Pompon trug.
Bis Kriegsende waren fast 600.000 Scharmützler rekrutiert und 430.000 an verschiedenen Fronten engagiert worden. Dort wurden 82.000 Menschen getötet.

  • Deutschland
  • Karikatur
  • Krieg von 14-18
  • Deutsch-französische Sonderausgabe
  • Propaganda
  • Rassismus
  • Darstellung des Feindes
  • Senegalesische Tirailleure
  • Kolonien
  • Jaurès (Jean)
  • Eile
  • Kolonialtruppen

Literaturverzeichnis

Eugène-Jean DUVAL,Das Epos der senegalesischen Tirailleure, Paris, L'Harmattan, 2005. Jacques LETHEVE,Karikatur und Presse unter der Dritten Republik, Paris, Armand Colin, 1961 Pierre VALLAUD,14-18, Erster Weltkrieg, Bände I und II, Paris, Fayard, 2004.

Um diesen Artikel zu zitieren

Emmanuelle GAILLARD, "Karikatur und Propaganda"


Video: Abi-Kurs Geschichte - Karikaturen meistern - Übung zur Interpretation